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Psychisch-Krank-Sein

Psychisch-krank, psychisch-gestört oder psychisch-geschädigt, wie auch immer, bin ich schon so lange ich denken kann. Scheinbar unbegründete Angst-Zustände und Panik-Anfälle. Das waren oder sind aber keine "normalen (neurotische) Ängste". Die kenne ich auch, und mit denen konnte und kann ich relativ locker leben. Schon als Kind habe ich gespürt, dass da ein religiöser Hintergrund eine deutlich spürbare Rolle spielt. Erklären konnte und kann ich das aber keinem, weil das zu mysteriös, esoterisch oder geheimnisvoll ist, was psychisch bei mir abgeht, wenn Panik-Anfälle "hochtourig" werden und sich chaotisch selbstständig machen.

Vor allem in der Grund-und-Haupt-Schule waren meine Ängste sehr problematisch für mich, was das Lernen und die dazu notwendige Aufmerksamkeit betrifft. Trotzdem habe ich einen relativ ordentlichen Hauptschul-Abschluss hinbekommen. Ich staune heute noch darüber, wie ich das gemacht habe. An den Besuch einer höheren Schule war aber nicht zu denken. 1975 bot mein Herr Vater mir daher an, in seinem Bäcker-Ein-Mann-Betrieb eine Lehre zu machen. So konnte ich relativ langsam und schonend den Einstieg ins Berufsleben starten. Überhaupt wurden die Angst-und-Panik-Probleme nach meiner Schulzeit deutlich weniger. 1978 schaffte ich meinen Abschluss, ziemlich knapp, aber immerhin, und konnte mich stolz Bäcker-Geselle nennen. Bis Januar 1980 arbeitete ich bei meinem Vater im Betrieb. Die Angst-und-Panik-Probleme waren zwischenzeitlich kaum noch ein Problem.

1978, kurz bevor ich 18 wurde, haben meine Eltern mich dazu "überredet", den PKW-Führerschein zu machen. Mein Vater wollte mich nämlich nur bis zum Bundeswehr-Eintritt im eigenen Betrieb zu Hause beschäftigen. Darüber hinaus nicht. Er werkelte lieber allein. Ich war von den Socken! Wie, um Himmels Willen, sollte ich denn den Führerschein schaffen? Allein schon der Gedanke daran, ein Auto selbstständig fahren zu müssen, aktivierte Durchfall bei mir. Kurzerhand haben meine Eltern mich einfach bei unserer örtlichen Fahrschule angemeldet. Ich mache es kurz. Auch den PKW-Führerschein habe ich, zu meinem Erstaunen, relativ schnell hin-bekommen. Schon Anfang 1979 habe ich die Prüfung bestanden. Autofahren war Super! Hätte ich vorher nie gedacht. Meine Eltern haben damals einfach weiter gedacht als ich, als sie mich in besagter Fahrschule angemeldet haben. Man stelle sich vor: Auswärts Arbeiten gehen, ohne Auto! Mit öffentlichen Verkehrs-Mitteln viel zu umständlich!

Über meine Bundeswehrzeit schreibe ich nicht viel, weil ich, als überzeugter Individualist, Militär für mehr als fragwürdig halte. Nicht wenige verwechseln Individualismus mit Egoismus. Aber so einfach ist das nicht! Verweigern, wie mein Bruder das gemacht hat, war für mich nicht so einfach. Angst vor Autoritäten. Es gab damals ja noch die Wehrpflicht. Von Januar 1980, bis einschließlich März 1981, war ich als Küchen-Soldat (Feldkoch) in den Standorten Hermeskeil und Merzig auf Achse.

Im Sommer 1981 bin ich dann beruflich neue Wege gegangen, weil ich als Bäcker zu wenig verdient habe, zuviel Nachtarbeit verrichten musste und Überstunden nicht korrekt bezahlt bekam. Traditionen und sogenannte überlieferte Werte spielen bei mir kaum eine Rolle! Ich entscheide täglich neu, was ich wie und wann mache. Überhaupt fühlte ich mich damals recht selbstbewusst und abenteuer-lustig. Ich wollte etwas Neues erleben. Mein Bruder vermittelte mir einen Job in der kleinen Beton-Fabrik, in der er selber tätig war, bis er seine anvisierte Umschulung antreten konnte. In dieser Firma, in der Beton-Fertig-Teile für das Baugewerbe fabriziert wurden, war ich von Sommer 1981, bis zur betriebs-bedingten Kündigung, im November 2003, fast durchgängig beschäftigt.

1988 erlebte ich, nach einer partnerschaftlichen Krise und Trennung, meine erste richtig heftige psychische Krise, in deren Verlauf ich monate-lang Patient in einer psychiatrischen Klinik war. Als ich in besagte Klinik ging, dachte ich: Vier Wochen Aufenthalt, dann bin ich "repariert". Von wegen! Außer stunden-lange (Gruppen)-Gespräche, Medikamente und unverständliche Therapie-Angebote, wie: Sport, Musik, Basteln, Kunst, Märchen-Drama, Autogenes-Training und Wasser-Treten, war da nichts. Das sollte Therapie sein?

Als ich unseren sehr beeindruckenden, ehrlichen, gradlinigen und aufrichtigen Psycho-Therapeuten in besagter Klinik fragte, was das soll, bekam ich zur Antwort: Ja Herr Speicher, wie soll ich Ihnen denn helfen? Wenn Sie nichts tun, sitzen Sie in 100 Jahren noch hier! Meine Frage, was ich seiner Ansicht nach tun soll, blieb unbeantwortet. Eine Frau in unserer Therapie-Gruppe erzählte, dass sie sich in ihrer Behörde für 3 Monate hat beurlauben lassen, um die Psycho-Therapie in unserer Klinik machen zu können. 3 Monate, entgegnete unser Therapeut erstaunt? Rechnen Sie lieber in Jahren! Er hat recht behalten, hätte aber besser Jahrzehnte gesagt.

Ich hatte aber keineswegs den Eindruck, dass besagter Psycho-Therapeut unfähig war. Ganz im Gegenteil! Heute würde ich sagen, dass er ein sehr kluger "spiritueller Lehrer" war, der nichts von Vorträgen hielt, dafür aber sinnvolle Tatsachen schaffen konnte. Mit recht forderndem- aber auch umsichtigem Verhalten sorgte er dafür, dass meine Ängste sich nach und nach massiv so hoch schaukelten, bis sie "symbolisch explodiert"- und danach zügig verschwunden sind. Nach dem Aufenthalt in besagter Klinik war ich elf Jahre, bis August 1999, ohne Unterbrechung beruflich aktiv! Das ist bei psychisch-Kranken keineswegs die Regel!

Etliche psychisch-Kranke schaffen nicht einmal einen beruflichen Einstieg, und das ist nicht deren Schuld! Die sind nicht einfach labil, rebellisch oder arbeits-unwillig, und die haben allzuoft keine Eltern, die ihnen über problematische Hürden sinnvoll hinweg-helfen, wie das bei mir, zumindest in meinen beruflichen Start-Jahren, der Fall war. Verwöhnt haben meine Eltern mich und meine beiden Geschwister aber keineswegs. Vor allem mein Herr Vater konnte recht fordernd und dominant in Erscheinung treten. Der ist in der extremen Nazi-Zeit groß geworden, und gehörte zu den tatkräftigen deutschen Nachkriegs-Machern, die sich als ungemein robust und leistungs-fähig erwiesen haben! Nicht tot zu kriegen! Ohne jemals Urlaub zu machen, haben meine Eltern ab 1955 ungefähr, genaue Zahlen habe ich nicht, unseren Bäcker-Familien-Betrieb, mit Hilfe von Geschwistern, aufgebaut und bis 1995 erfolgreich geführt. Nebenberuflich haben auch meine Schwester und ich jahre-lang tatkräftig mitgewirkt. Dafür hatten wir freies Wohnen zu Hause.

Schuld an psychischen Störungen sind in erster Linie bewusst herbei-geführte Katastrophen der Vergangenheit, die da wären:
.....→ 4 Jahre Erster Weltkrieg → 1914 bis 1918
.....→ 15 Jahre Weimarer-Katastrophen-Republik → 1918 bis 1933
.....→ 12 Jahre Nationalsozialismus → 1933 bis 1945
.....→ 6 Jahre Zweiter Weltkrieg → 1939 bis 1945
.....→ Not der Nachkriegszeit → 1945 bis weit in die 1950er Jahre.
Wenn man bedenkt, wie-viele Millionen Menschen in diesen rund 40 Jahren ihre nicht verdauten seelischen Schäden (Traumata) unbewusst an ihre Kinder- und die wiederum an ihre Kinder weiter vererbt haben, ohne die problematischen Langzeit-Folgen zu verstehen, ist man auf der richtigen Spur. Was ich hier schreibe, habe ich nicht irgendwo gelesen und abgeschrieben, sondern selber erlebt:
Der Vater meiner Mutter, Jahrgang 1895, kam aus dem Ersten Weltkrieg körperlich und seelisch total kaputt nach Hause. Mit 39 wurde er, aufgrund seiner Kriegs-Schäden, vorzeitig berentet! Da ging, nicht zuletzt auch finanziell, nicht mehr viel, obwohl er Beamter war. Meine Mutter und eine ihrer Schwestern wurden, durch schlimme Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg, erheblich traumatisiert und chronisch psychisch- und folglich auch körperlich krank. In den Weltkriegen haben, in Führungs-Bereichen, Dämonen gewütet!

Kurz nach der legendären Nostradamus-Sonnenfinsternis, im August 1999, ging es bei mir wieder los, diesmal aber richtig. Angst und Panik-Anfälle am laufenden Band. Nicht zu stoppen. Etliche Aufenthalte in einer anderen psychiatrischen Klinik folgten. Auch dort gab es als Therapie → mehr oder weniger wirksame Medikamente, kluge Gespräche mit diversen Psychologen und Psychiatern, Sport, Basteln, Meditation, Kunst-Therapie (Bilder malen oder Gips-Figuren zusammen-kneten) und Gruppen-Musik-(Chaos).

Psycho-Medis wirken, wenn überhaupt, nur stunden-weise. Sehr schnell braucht man mehr und mehr davon um eine Wirkung zu verspüren, was alsbald zu Abhängigkeiten und Süchten führen kann. Eine gute Bekannte von mir wirft täglich so um die 10 Psycho-Tabletten (Haldol und ähnliche Ware) ein. Einmal Psychiatrie-Patient, immer wieder Psychiatrie-Patient. Drehtür-Patient nennt man das in unseren Kreisen. Man kennt sich irgend-wann innen wie außen, weil man sich in der Psychiatrie regelmäßig begegnet. Ab und zu ein beruflicher Neustart (Hamburger Modell!), der nach einigen Monaten grandios daneben ging. Dann 2006, mit 46 Jahren bei mir die vorzeitige Berentung wegen voller Erwerbs-Minderung bis heute. Zwischen-durch Aufenthalte in diversen sogenannten therapeutischen Wohngruppen und Wohnheimen, die ich bis zur Pleite im Jahr 2007 selber finanzieren musste, weil ich über selbst angespartes Eigen-Kapital verfügen konnte, dank meiner Eltern. Insgesamt gingen so etwa 15.000 Euro bei mir "durch den Schornstein". Später habe ich nach familiären Todesfällen aber auch einiges geerbt, sodass ich krankheits-bedingte Verluste, teilweise, ausgleichen konnte.

Was uns heute als Psycho-Therapie angeboten wird, nennt sich in der Regel Verhaltens-Therapie. Eine Erklärung dazu: → Um sich vor Ängsten, Panik, Psychosen, Manien oder Depressionen, so gut es geht, zu schützen, entwickeln psychisch-Kranke meist sogenanntes Problem-Verhalten oder Abwehr-Mechanismen. Davon gibt es, unter anderem:

Vermeidung von Angst-verursachenden Personen oder Situationen. Ist am einfachsten zu verstehen. Manche Patienten verlassen vor lauter Angst oder Verwirrung kaum noch die Wohnung.

Projektion: Eigene Defizite oder Mängel werden unbewusst, und oft ordentlich aggressiv, auf andere projiziert, um sich selber zu entlasten.

Aggressionen: Betroffene wehren sich mitunter vehement dagegen, stressige und Angst-verursachende Situationen aufzusuchen oder verstecken ihre Ängste hinter aggressivem Verhalten. Diese Art Aggression und Stress-Bewältigung war bei mir, neben Angst/Panik, lebens-lang ein Haupt-Problem. Seit ich nicht mehr arbeite, ist Aggression kein großes Problem mehr bei mir.

Vermehrter Konsum von Alkohol oder Drogen um sich zumindest zeitweise zu entlasten. Ist auch relativ einfach zu verstehen, aber mit Vorsicht zu genießen. Bier scheint mir relativ ungefährlich zu sein, wenn man damit nicht Auto fährt.

Verhaltens-Therapeuten beschränken sich bei ihren Therapie-Versuchen ausschließlich auf die Korrektur von sogenanntem falschem Verhalten, weil krankhafte psychische Vorgänge objektiv weder sicht-noch-greifbar- und daher nicht beeinflußbar sind. Verhaltens-Therapie basiert auf der sogenannten Lern-Theorie. Die besagt, dass problematisches Verhalten in der Kindheit und Jugend individuell gelernt wurde, wie etwa lesen, und daher positiv/sinnvoll verändert werden kann. Wo bleibt da die Heilung der psychischen Störungen, die ja das tatsächliche Problem für Betroffene sind? Falsches Verhalten ist ja nur die fatale Folge von krankhaften psychischen Vorgängen.

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